Geschichte der Erziehung

Geschichte der Erziehung Erziehung ist im Laufe der letzten drei Jahrhunderte zu einem integrierenden Bestandteil des Lebens in unserer Gesellschaft geworden. Die Beschäftigung mit ihrer Geschichte und Theorie kann insofern auch Nicht-Fachleuten nützen: zu verstehen, was das ist, Erziehung in der Gesellschaft, das Schulwesen, die Heimerziehung, die Berufsausbildung; und zu verstehen, wer wir sind: in einer Familie Erzogene mit Schulkarriere, Ausbildung, vielleicht eigenen Kindern, die wir erziehen. Indem wir uns mit ›Erziehung‹ auseinandersetzen, erfahren wir etwas über die Möglichkeiten, die in uns als Menschen stecken, die wir verwirklicht haben, die wir verwirklichen können, die uns betreffen und die uns betroffen machen. Und weil das so ist, verspricht es Gewinn für die Erkenntnis unserer selbst als Erzieher im weitesten Sinne dieses Wortes, wenn wir einen Blick zurück in die Geschichte der Erziehung werfen.

Der Auswahl der Erzieher-Vorfahren muss eine Arbeitsdefinition dessen zugrunde liegen, was unter ›Erziehung‹ verstanden werden soll. Ich setze voraus, dass ›Erziehung‹ die an Aufklärung und Mündigkeit orientierte Reaktion der Gesellschaft auf die Tatsache ist, dass Menschen sich im Laufe ihres Lebens entwickeln. Unter dieser Voraussetzung stelle ich ›Erzieher‹ aus den vergangenen drei Jahrhunderten vor: wann und wo sie gelebt und gewirkt haben, was sie eingerichtet, getan und geschrieben haben. Bei der Auswahl habe ich mich durch folgende Gesichtspunkte leiten lassen:

Ich habe meine Geschichte rückwärts blickend erzählt, gemäß der Kategorie der Erinnerung. Das machen wir im Alltag auch so, wenn wir uns zu erinnern suchen, etwa wie unsere Eltern und Großeltern lebten, und damit irgendwie auch daran, wie wir wurden, was wir sind. Ein solcher Zugang zur Gesichte den Vorzug, dass man nicht nach irgendeinem Punkt zum Beginn einer Geschichte suchen muss, die man dann zielstrebig auf unsere Zeit als den Endpunkt einer scheinbar konsequenten Entwicklung zulaufen lässt und natürlich noch weiter bis zu dem Ende, das wir für wünschenswert halten. Wie den Ahnenforschern können uns beim Rückblick auch Vorfahren begegnen, deren Existenz uns bislang noch gar nicht bewusst war.

Inhalt der 2. Auflage

Einladung – Was ist Erziehung, und wozu dient ein Studium ihrer Geschichte?

1 Zwei Anfänge einer Geschichte

1.1 Alexander S.
Neill und die ›antiautoritäre Erziehung‹ in der Bundesrepublik Deutschland
1.2 Polytechnische Bildung in der Deutschen Demokratischen Republik
1.3 ›Autoritäre‹ Erziehung in Deutschland
1.4 Adolf Reichwein (1898–1944)

2 Die Reformpädagogik – Hermann Lietz (1868–1919)

2.1 Zur Biographie
2.2 Die ›Erziehungsschule‹
2.3 Ein Modell?
2.4 Die ›pädagogische Bewegung‹ in Deutschland
2.5 Pädagogik als Wissenschaft

3 Das Gymnasium und die Bildung – Wilhelm von Humboldt (1767–1835) und Karl Heinrich Marx (1818–1883)

3.1 Zur Biographie Wilhelm von Humboldts
3.2 Die preußische Schulreform
3.3 Der Begriff der Bildung
3.4 Karl Heinrich Marx (1818–1883)

4 Anfänge der Sozialpädagogik – Johann Hinrich Wichern (1801–1881)

4.1 Aus der Biographie
4.2 Das soziale Umfeld
4.3 Das ›Rauhe Haus‹ in Horn
4.4 Die sozialpolitischen Vorstellungen Wicherns

5 Die Ausbildung von Volksschullehrern – Friedrich Adolph Wilhelm Diesterweg (1790–1866)

5.1 Aus der Biographie
5.2 Das Lehrerseminar
5.3 Die Didaktik

6 Der Kindergarten – Friedrich Wilhelm August Fröbel (1782–1852)

6.1 Das Umfeld
6.2 Aus der Biographie
6.3 Fröbels Verständnis von Erziehung
6.4 Die ›Spielgaben‹
6.5 Der Kindergarten

7 Wohnstubenerziehung und die Elementarmethode – Johann Heinrich Pestalozzi (1746–1827)

7.1 Aus der Biographie
7.2 Die Industrieschule
7.3 Das Menschenbild
7.4 Die Volkserziehung
7.5 Die Idee der Elementarbildung

8 Erziehung nach der Natur – Jean-Jaques Rousseau (1712–1778)

8.1 Aus der Biographie
8.2 Rousseaus Gesellschaftstheorie
8.3 Das gesellschaftliche Umfeld
8.4 Rousseaus Verständnis von Erziehung
8.5 Ist Sophie ein Mensch?

9 Die Philanthropen – Johann Bernhard Basedow (1724–1790)

9.1 Aus der Biographie
9.2 Basedows Schulkonzept
9.3 Das ›Elementarwerk‹
9.4 Das ›Philanthropin‹
9.5 Das ›Revisionswerk‹ der Philanthropen

10 Der erste Erzieher – August Hermann Francke (1663–1727)

10.1 Aus der Biographie
10.2 Das Umfeld und die ›Anstalten"
10.3 Die Schulen
10.4 Die Lehrerausbildung
10.5 Franckes Begriff von Erziehung
10.6 Zusammenfassung

11 Die Welt in Bildern – Jan Amos Komensky [Comenius] (1592–1670)

11.1 Aus der Biographie
11.2 Das Umfeld
11.3 Die Schulen
11.4 Das Wissen
11.5 Die Methode

12 Ein Ende der Geschichte? – Des Platons Sokrates (469–399 v. Chr.)

12.1 Laches – Was muß man lernen?
12.2 Wie kann man lernen? – Aus dem Menon
12.3 Warum soll man lernen? – Das Höhlengleichnis aus dem ›Staat‹

Rückkehr und Rückblick: Aus der Geschichte lernen?


Last update 24. Oktober 2015 Peter Menck